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02.06.2010, 11:19

»Psychiatrisches Pflegeheim schließt eine große Lücke«

veröffentlicht von: Daniel Theissen

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Von Arno Colaris

Auf dem ehemaligen Klosterhof in St.Vith wurde gestern der offizielle Grundstein zum Bau des psychiatrischen Pflegeheims gelegt, das voraussichtlich im Oktober 2011 seiner Bestimmung übergeben wird.

Bauherr dieses wichtigen Vorhabens im Bereich der Pflegedienstleistungen der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) ist die Interkommunale für das Sozial- und Gesundheitswesen (ISG) der fünf Eifelgemeinden.

Die Baukosten sind laut Ausschreibung mit 3,5 Millionen Euro veranschlagt. Mit der Bauausführung wurde das Unternehmen François Moureau (Ans) beauftragt. Die DG übernimmt 60 Prozent der Kosten. Im Beisein von Parlamentspräsident Ferdel Schröder, der Bürgermeister der fünf Eifelgemeinden, der Mitglieder des Arbeitsausschusses und Verwaltungsrates der ISG sowie Vertreter der Öffentlichen Sozialhilfezentren freute sich Sozialminister Harald Mollers über den offiziellen Startschuss der Arbeiten, die bereits vor einigen Wochen begonnen haben. Das psychiatrische Pflegeheim sei das erste Betreuungshaus dieser Art in der DG und werde der Weiterentwicklung der Hilfen für psychisch kranke Menschen aus der gesamte DG und darüber hinaus zugute kommen.

Notwendigkeit

Die ersten Planungen gingen auf das Jahr 2006 zurück, als die frühere St.Vither Schöffin Gaby Frauenkron noch den Vorsitz der ISG innehatte. Ihr Nachfolger Friedhelm Wirtz sprach von einem neuen Kapitel in der Geschichte der Interkommunalen. »Diese Einrichtung wird eine Lücke in der Pflege und Betreuung von psychisch kranken Menschen schließen. Sie wird sich eingliedern in einen Versorgungsprozess, der bis dato in der DG nicht gewährleistet ist. Neben unseren Altenpflegeheimen brauchen wir eine Einrichtung, wo Menschen betreut werden, die nicht mehr autonom sind, die ein Leben lang begleitet werden müssen. Wir brauchen dieses psychiatrische Pflegeheim in der DG.« Der Standort des neuen Heims sei nahezu ideal. »Es liegt in der Nähe der Klinik und des Seniorenheims, das Stadtzentrum ist nicht weit.« Nach gutem Brauch wolle man bei der Grundsteinlegung einige Zeugnisse der Gegenwart mit einmauern, darunter eine von ISG-Direktor Peter Steffens vorgetragene Urkunde, die Tagesausgabe des Grenz-Echos und etwas Münzgeld. »Das ist gleichsam unser Opfer an die Hausgeister«, so Friedhelm Wirtz weiter. »Erstens habe ich den Wunsch, dass niemand beim Bau zu Schaden kommen möge, zweitens wünsche ich, dass die Wände und Decken so fest gemauert werden, dass sie keinem Sturm und keinem Feuer zum Opfer fallen und den Menschen, die hier wohnen und arbeiten, immer Schutz und Wärme bieten. Drittens möge diese Einrichtung ihren Bewohnern das bieten, was sie von ihr erwarten dürfen.«

Urkunde

In der Urkunde, die bei der Grundsteinlegung ebenfalls mit eingemauert wurde, heißt es, dass die neue Einrichtung ihre Leistung nach folgendem Leitbild richtet: menschenwürdige Lebensqualität und Zufriedenheit der Bewohnerinnen und Bewohner. Unter besonderer Berücksichtigung ihrer Biographie und ihrer bisherigen Lebensgewohnheiten trägt die Pflege und Versorgung zur Befriedigung der körperlichen, geistigen, sozialen und seelischen Grundbedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner bei und bietet Hilfestellung bei der Bewältigung von Lebenskrisen.


»Optimale Betreuung in geographischer Nähe«

Der Minister für Familie, Gesundheit und Soziales der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG), Harald Mollers, brachte anlässlich der offiziellen Grundsteinlegung des psychiatrischen Pflegeheims in St.Vith seine Freude darüber zum Ausdruck, dass psychisch kranke Menschen aus der DG, die bisher nur die Alternative einer heimatfernen oder nicht ganz angepassten Versorgung hatten, künftig eine geographisch nahe und aus fachlicher Sicht optimale Betreuungsmöglichkeit in St.Vith erhalten werden. Noch gebe es hierzulande keine Erfahrungen mit einem solchen Konzept, »doch haben wir mit der Interkommunalen für das Sozial- und Gesundheitswesen einen starken und kompetenten Träger, der dieses Projekt vorantreibt.«

Wichtig sei ihm vor allem, dass die Angebote des psychiatrischen Pflegeheims so vielfältig seien wie die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten. »Ich denke hier konkret an die Weiterentwicklung der Hilfen für psychisch kranke Menschen in der DG.«

Die Einrichtung diene schwerpunktmäßig der stationären Pflege und Betreuung chronisch psychisch kranker Menschen und pflegebedürftiger geronto-psychiatrisch veränderter Menschen, wobei das Pflegeheim wohlgemerkt Menschen aus der gesamten DG und darüber hinaus offen stehe. Der Bedarf für diese Form der Betreuung steige ständig. »Bislang musste die psychiatrische Abteilung des Krankenhauses St.Vith diese Entwicklung fast alleine auffangen, doch mit dem psychiatrischen Pflegeheim wird es für das Krankenhaus St.Vith und auch das Krankenhaus Eupen sicher eine deutliche Entlastung geben.«

Mit seinen 32 Plätzen sei das Pflegeheim baulich und von der Inneneinrichtung so angelegt, dass kleine überschaubare Pflegegruppen ein wohnliches Milieu mit einer familiären Atmosphäre bieten. Und auch an die Umwelt sei gedacht worden. Durch eine ausgefeilte Gebäudetechnik werde sichergestellt, dass möglichst wenig Energie zum Heizen und Kühlen verbraucht wird.

Die DG beteilige sich mit einem Anteil von 60 Prozent der Kosten, weil das Vorhaben ein wichtiger Bestandteil des Gesundheitsstandorts DG und von Anfang an von der breiten Öffentlichkeit sowie den fünf Trägergemeinden und der Regierung unterstützt worden sei. »Die Hilfen müssen dorthin kommen, wo die Menschen leben, die sie brauchen, und die Hilfen müssen die Menschen befähigen, möglichst selbstbestimmt dort leben zu können, wo sie ihren Lebensmittelpunkt haben, und zwar mitten in der Gesellschaft und nicht abgesondert.«(arco)

Quelle : www.grenzecho.net

 

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