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22.07.2017, 11:23

Rede zum Nationalfeiertag 2017

veröffentlicht von: Daniel Theissen

von Christian Krings, Bürgermeister der Stadtgemeinde Sankt Vith

 

Sehr geehrter Herr Minister, sehr geehrter Herr Senator, sehr geehrte  Ehrengäste, meine sehr verehrten Damen und Herren,

als Bürgermeister habe ich heute die besondere Ehre Sie alle, auch im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen, des Stadtrates hier im Triangel, anlässlich des belgischen Nationalfeiertags willkommen zu heißen.

Ganz besonders freut mich die Anwesenheit von so vielen Verantwortungsträgern aus unseren Vereinen. Mit ihrer Anwesenheit sagen sie ja zu Bürgerengagement, sie geben  ein starkes Zeichen der Verbundenheit und der Solidarität mit unserem Land Belgien und der Gemeinde St.Vith.

Zunächst gilt mein besonderer Dank Herrn Dechant Claude Theiss und Frau Christine Treichel, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde sowie der Choralgruppe für den feierlichen Vortrag des Te Deum in unserer Pfarrkirche.

Auch in diesem Jahr verwöhnt uns am Nationalfeiertag das Symphonische Blasorchester der Belgischen Eifel unter der Leitung von Roland Smeets mit einem schönen Konzert. Herzlichen Dank dafür!

Wir feiern heute den 186. Geburtstag unseres Landes, den Tag an dem unser erster König, Leopold von Sachsen-Coburg-Gotha, den Eid auf die belgische Verfassung ablegte.

Belgien, ein Staat für dessen Unabhängigkeit und Freiheit in 2 Weltkriegen viele Menschen ihr Leben geopfert haben. Ein Staat der mit an der Wiege der europäischen Idee stand und viele EU Institutionen beherbergt, aber auch ein Land mit einem komplizierten Staatsgefüge, das durch seine vielen Entscheidungsebenen nicht leicht zu regieren ist. 

Aber was würden wir unserem Geburtstagskind denn zu seinem Ehrentag schenken oder an guten Wünschen aussprechen? Bliebe es bei den üblichen Floskeln, oder würden wir uns grundlegende Gedanken machen, um unserem Geburtstagskind ein passendes Geschenk zu machen, ein Geschenk, dass ihm im wahrsten Sinne des Wortes gute Dienste erweisen würde.

Und sind wir uns der Tatsache bewusst, dass wir uns ja letztendlich dieses Geschenk selber machen würden, denn wir sind es ja, die als Mitbürgerinnen und Mitbürger dieses Landes seinen Geburtstag feiern.

Den Bedarf an sinnvollen Geschenken hätten wir sehr wahrscheinlich schnell ausgemacht, denn die Probleme unter denen unser Land leidet sind ja bekannt. Wie in vielen Demokratien unserer westlichen Welt sind sich die politischen Verantwortungsträger und die Menschen fremd geworden.  

In der großen Politik da stimmt sicher die Show, aber stimmt auch die Arbeit?  Oder lässt man sich blenden von der Macht? Wie könnte es sonst sein, dass man den Steuerbetrug der Reichen nur halbherzig ahndet, aber den  Steuerdruck auf die arbeitende Bevölkerung ständig erhöht.

Wir leben in einer Welt wo wenige Reiche so viel besitzen wie 3,5 Milliarden Menschen die arm sind. Aber trotz aller Sonntagsreden der Staatslenker geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander und das Elend der Hungernden wird immer schlimmer.

Und wie sieht es bei uns aus? Viele Menschen fühlen sich nicht mitgenommen, sie spüren, dass die Politik sich weniger um sie als um den eigenen Machterhalt kümmert. Das Gerangel in Namür und Brüssel, bei der aktuellen Regierungskrise ist da ein treffendes Beispiel. So wird auch bei uns der Ruf nach Veränderung immer lauter!

Und da wären wir bei den Geburtstagswünschen für unser Belgien, die ich Ihnen vorschlagen wollte.

Wie wäre es mit Dankbarkeit!?

In unserer von Wohlstand gekennzeichneten Welt, haben wir uns angewöhnt immer mehr zu erwarten. Aber trotz aller Unzulänglichkeiten und Krisen sollten wir dankbar sein, denn wir leben bei uns in Ostbelgien in Wohlstand und Sicherheit. Wir sind abgesichert gegen Arbeitslosigkeit, Krankheit und vieles mehr und das ist nicht selbstverständlich!

Gewiss wir arbeiten hart, zahlen viele Steuern, aber wir haben auch das Glück in geordneten Strukturen und Verhältnissen zu leben, die uns viele Perspektiven und Chancen bieten. Im Gegensatz zu uns kommen Millionen Menschen in der Welt trotz harter Arbeit nicht auf einen grünen Zweig und werden ausgebeutet.

Wie wäre es mit Mehr Gerechtigkeit!?

Wir brauchen dringend politische Vertreter in Belgien und Europa, die auf die Menschen hören und ihre Interessen wirksam vertreten. Politiker die sich nicht immer wieder von Lobbyisten für die Interessen des Großkapitals einspannen lassen. Wir brauchen ein Europa, das den Mittelstand und die Menschen schützt und sie nicht mit Entsenderichtlinien der Ausbeutung preisgibt und mit immer neuen Vorschriften kaputt macht. Unsere politische Klasse muss die Menschen wieder ernst nehmen und für mehr Gerechtigkeit sorgen, sonst wird unser politisches System nicht überleben!

Wie wäre es mit Gemeinsam anpacken!?

Nur laut sagen, was Sache ist, reicht nicht. Gemeinsam anfassen ist genauso wichtig, damit wir wieder eine lebendige Demokratie werden. Es wäre gut, wenn wir uns wieder mehr für unseren Staat und seine gemeinnützigen Einrichtungen einsetzen würden. Gemeinsam dafür stark machen, dass er sich immer wieder zum Guten verändert.

„Einigkeit macht stark“ war einst die Devise bei der Staatsgründung Belgiens. Je vielfältiger unsere Gesellschaft wird, umso weniger ist davon zu spüren. Da wo Nationalitäten und Kulturen auf einander treffen ist jede Menge Konfliktpotential. Aber da, wo Flaggen und Traditionen nicht trennend gelebt, sondern als ergänzende Vielfalt einer viel tiefersitzenden „gemeinsamen Identität“ begriffen werden, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, da ist Einheit in der Vielfalt möglich.

Und wenn wir mit offenen Augen durch die Welt gehen, dann sehen auch wir wo wir gebraucht werden, wo wir für andere da sein können und ihnen neuen Mut und neue Kraft geben können. Das sind Momente, wo wir spüren, dass wir immer etwas zurückbekommen, wenn wir bereit sind uns anderen Menschen zuzuwenden, ohne zu fragen, was wir daran verdienen können.

Ohne viel Aufhebens leben viele Menschen in unserer Gemeinde nach diesem Prinzip und gehen mit gutem Beispiel voran, indem sie sich für das Allgemeinwohl einsetzen. Dieser Einsatz der vielen Ehrenamtlichen in unseren Vereinen und Organisationen ist unerlässlich und wertvoll, damit wir es schaffen eine lebendige Gesellschaft zu erhalten, wo die Menschen bereit sind, gemeinsam für eine bessere Zukunft zu arbeiten. So nutze ich gerne die Gelegenheit des heutigen Nationalfeiertages, um allen von Herzen zu danken, die mehr als ihre Pflicht tun indem sie Verantwortung in unserer Gesellschaft übernehmen.

Und noch ein letzter Geburtstagswunsch:

Wie wäre es denn mit mehr Mut zur Veränderung!?

Ja, was sich nicht verändert, was sich nicht entwickelt das kann nicht überleben. Deshalb brauchen wir Mut überflüssige Strukturen, wie z.B. die Provinzen aufzugeben und loszulassen. Das wird nicht alle Probleme lösen aber die frei werdenden Ressourcen könnte man besser einsetzen, oder die Steuern senken. Denn unsere zu hohen Steuern treiben viele Belgier ins Ausland.  

Der Dalai-Lama hat es in einem Zitat so ausgedrückt: „Öffne der Veränderung deine Arme, aber verliere dabei nie deine Werte aus den Augen“

Nein wir dürfen unsere Werte nicht aufgeben. Unser Staat darf sich weder vor  Chaoten noch vor religiösen Fanatikern oder Kriminellen ducken. Das geht aber nur mit einer starken Justiz die dort durchgreift wo es notwendig ist, um die Menschen zu schützen.

Aber auch die Gewinnmaximierung darf nicht das Maß aller Dinge sein, sondern der Mensch muss wieder ins Zentrum unsers politischen Handelns. Nur so kann unser Land uns auch in Zukunft Freiheit, Rechtsicherheit und Schutz bieten. Unsere Demokratie muss immer ein lebendiger Ort für alle sein. Ein Ort, an dem Menschen um den besten Weg streiten und miteinander arbeiten und wachsen können.

So lade ich Sie alle heute dazu ein, mit Selbstvertrauen und Optimismus in die Zukunft zu blicken. Denn jeder von uns hat die Möglichkeit seine Meinung zu sagen und die Welt um sich herum zum positiven zu verwandeln. Auch wenn wir es nicht glauben, wir als einfache Menschen können viel in unserer Gemeinde, in der Deutschsprachigen Gemeinschaft und in Belgien bewirken. Nutzen wir diese Möglichkeit, denn jeder neue Tag gibt uns die Chance dazu.

"Es lebe der König!  Es lebe Belgien! Es lebe unsere Demokratie!“

Christian Krings, Bürgermeister der Stadtgemeinde Sankt Vith