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08.07.2010, 11:51

Arbeiten zum Nahwärmenetz in St.Vith laufen mittlerweile

veröffentlicht von: Daniel Theissen

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Von Herbert Simon

In St.Vith sorgt man für den kalten Winter vor: Bei hochsommerlichen Temperaturen haben hier die Arbeiten zum Bau des geplanten Nahwärmenetzes begonnen.

Es sei an die großen Leitlinien dieser ehrgeizigen Initiative erinnert. Die Stadtgemeinde St.Vith dürfte mit diesem Nahwärmenetz hierzulande ein Vorzeige-Projekt in Sachen grüne Energien schaffen. Eine durch eine konventionelle Ölheizung (1000 KW) unterstützte Holzfeuerungsanlage (800 KW) am Sport- und Freizeitzentrum (SFZ) St.Vith soll ab dem kommenden Winter fünf öffentliche Gebäude im Stadtgebiet per Leitungsnetz mit Heizwärme versorgen: das SFZ selbst, das Rathaus, die Städtische Volksschule, das Königliche Athenäum sowie die Grundschule des Athenäums. Grundlage des Vorhabens sind die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie.

Marschroute

Gespeist wird die Heizungsanlage mit Hackschnitzeln. Diese werden aus einer neuen Lagerhalle angeliefert. Beim Befüllen des Bunkers soll ein Fallschutz für die nötige Sicherheit sorgen. Die Versorgungsleitungen zu den Abnehmern erreichen eine Gesamtlänge von 630 Metern. Das Heizwerk entsteht vor dem SFZ. Ihm werden drei Parkstellplätze vor der Halle geopfert werden müssen.

Bauträger sind die Stadtwerke. Sie und die Stadt haben das umfassende Vorhaben zügig vorangetrieben. Nach der kurzen Zeitspanne der Verabschiedung im Stadtrat, der Planung durch das Studienbüro Berg & Partner (Eupen) - gemeinsam mit IBS Schäfer - sowie der Genehmigungsprozedur soll auch die Ausführung, die in vier Losen erfolgt, laut den vorgegebenen strengen Fristen bewerkstelligt werden. »Wir liegen im Zeitplan. Die Marschroute wird befolgt«, freuten sich Energieschöffe Herbert Grommes und André Servais, Betriebsleiter der Stadtwerke, im Gespräch mit dem Grenz-Echo.

Die Inbetriebnahme soll bzw. muss nämlich termingerecht zur Heizperiode im kommenden Winter erfolgen. Den Gesamtauftrag erhielt das Unternehmen Detem (Weismes) mit den Firmen Maraite (Halenfeld) und Hilger (Born) als Subunternehmen. Seit dem 28. Juni laufen die Baumaßnahmen vor dem SFZ, mit dem Rohbau für Hackschnitzelheizung, Hackschnitzelsilo und Ölheizung. Die Erdarbeiten wurden übrigens durch den Kampfmittelräumdienst der Armee überwacht, denn aus der Erfahrung der Vergangenheit heraus hätte es durchaus zu Bombenfunden im Boden kommen können.

Derweil ab der kommenden Woche das Unternehmen Maraite seinen Sommer-Betriebsurlaub antritt, folgt ein fliegender Wechsel. Die Fa. Hilger arbeitet im Juli durch. Ab August wird das Leitungsnetz verlegt: Vorrang haben hier die anfallenden Arbeiten in den Schulhöfen, damit der Unterrichtsbeginn im September möglichst nicht beeinträchtigt wird. Der Anschluss an die Heizsysteme der genannten fünf Abnehmer geschieht über Wärmetauscher. Wenn alles nach Plan verläuft, soll das Nahwärmenetz zum Dezember voll betriebsfertig sein. Die benötigte Energie soll zu 83 Prozent aus der Holzverbrennung und nur noch zu 17 Prozent aus der Heizölfeuerung kommen. Die schon mehrfach geäußerten Befürchtungen über Rauchbelästigungen der Hackschnitzelheizung wollten unsere Gesprächspartner, auch unter Hinweis auf ähnliche Anlagen anderswo, nicht teilen: Lediglich bei deren Hochfahren jeweils im Herbst werde ein Holzgeruch zu vernehmen sein. Und die Abgase seien völlig unbedenklich.

Herbert Grommes und André Servais sind überzeugt, dass die ökologischen und ökonomischen Vorteile dieses Nahwärmenetzes weitere Projekte dieser Art in der Stadt bewirken werden.

 

Hohe Einsparungen

Die Gesamtinvestition in das Nahwärmeprojekt der Stadtgemeinde St.Vith wird mit 1,295 Millionen Euro (ohne MwSt.) bzw. 1,562 Millionen Euro (mit MwSt.) beziffert. Darin einbegriffen sind neben der eigentlichen Infrastruktur auch die Planungskosten, das Holzhackschnitzellager an der Umgehungsstraße Rodt, die Teilfinanzierung des benötigten Lastwagens, der Radlader und die Zwischenzinsen.

Die St.Vither Stadtwerke als Bauträger des Projektes steuern 417 929 Euro bei, die Deutschsprachige Gemeinschaft beteiligt sich über die alternative Finanzierung mit 498 119 Euro, derweil seitens der Wallonischen Region über das Ureba-Programm Energie-Beihilfen von 379000 Euro zu erwarten sind.

Hackschnitzel

Laut den Berechnungen sind die Anlagen, deren Lebensdauer mit 30 Jahren und mehr angegeben wird, nach 15 Jahren abgeschrieben. Das neue Hackschnitzellager ist mittlerweile mit 3000 cbm Brennmaterial angefüllt worden. Auch das Triangel wird von hier aus beliefert werden. Herbert Grommes bekräftigte, angesichts der günstigen Preislage sei es von Vorteil gewesen, diese Holzhackschnitzel in bester Qualität im Direkt-ankauf zu erwerben. Schon bei der Diskussion zu diesem Thema am 25. Februar 2010 im Stadtrat, als von einem Schätzpreis von 51 000 Euro die Rede war, wurde dieses Argument angeführt. Bei der Ausschreibung erhielt übrigens das Sägewerk Belwood (Amel-Kaiserbaracke) den Lieferauftrag.

Der Beitrag zur Energieeinsparung und zur Verringerung der CO2-Emissionen ist nach Angaben von Herbert Grommes und André Servais erheblich. So können die Kosten für den Heizölverbrauch um 68 000 Euro/Jahr (bei einem Preis von 65 Cent/Liter) gesenkt werden. Bei den Abnehmern werden jedenfalls sieben Ölheizöfen ausgebaut.

Zeitplan

Der Hackschnitzelverbrauch beträgt bei voller Leistung 12-15 Schuttraum-Meter/Tag. Der Bunker hat ein Fassungsvermögen von 130-140 cbm. Zwei bis drei Ladungen (von je 40-45 cbm) werden pro Woche angeliefert werden.

Die Akte Nahwärmenetz wurde rasch vorangetrieben. Am 21. Januar 2010 wurde das Projekt im Stadtrat beschlossen. Die europäische Ausschreibung startete am 29. Januar. Nach Zurkenntnisnahme deren Ergebnisse am 30. März kam es zu Nachverhandlungen. Am 25. Mai wurde der Zuschlag endgültig erteilt. Die Globalgenehmigung lag am 31. Mai vor. Arbeitsbeginn war am 28. Juni. Die Testphasen sollen ab Mitte Oktober/November erfolgen. Zum Winter soll alles laufen.(hs)

Quelle : www.grenzecho.net