Sehr geehrte Mitglieder der Krieger- und Veteranenverbände, sehr geehrter Herr Minister, sehr geehrte Vertreter des Gemeindekollegiums und des Stadtrates, der Polizei, der Streitkräfte, der Schulen, der Feuerwehr und der Ortsvereine. Sehr geehrte Herren Ehrenbürgermeister und Ehrenschöffen, werte Vertreter der Presse, werte Mitbürgerinnen und Mitbürger!
Ich darf Sie alle recht herzlich im Namen der Stadtgemeinde St.Vith zu unserer Gedenkfeier für die Opfer der beiden Weltkriege hier in Neundorf begrüßen.
Dieser Gedenktag geht auf die Unterzeichnung des Waffenstillstandes am 11. November 1918 zurück, als nach 4 Jahren Weltkrieg endlich die Waffen schwiegen.
Die Folgen dieses Krieges waren für Europa entsetzlich und die schrecklichen Verluste auf den Schlachtfeldern führten der Bevölkerung vor Augen, wie sinnlos dieser Krieg war, denn außer Tod und Hunger war den Menschen nichts geblieben.
Mit dem Versailler Vertrag, zwangen die Sieger noch von Rachegefühlen geprägt, den Völkern Europas eine Neuordnung auf, die allzu wenig Rücksicht auf Jahrhunderte alte Traditionen und Grenzen nahm.
Dies wurde vor allem vom deutschen Volk als ungerecht empfunden, sodass ein Demagoge wie Adolf Hitler mit seinem Versprechen das Unrecht von Versailles zu tilgen, an die Macht kam.
So begann Deutschland 21 Jahre später mit dem Überfall auf Polen zum zweiten Mal einen Weltkrieg, der während 5 Jahren eine blutige Spur durch viele Länder der Erde ziehen sollte. Unvorstellbare Grausamkeiten, die fast vollständige Ermordung des Jüdischen Volkes in Europa, mehr als 50 Millionen Tote und jahrelange Gefangenschaft für viele Soldaten und Zivilisten waren die schreckliche Bilanz.
Auch heute noch müssen viele Menschen auf der Welt mit Krieg und Unterdrückung leben. Sie sind Diktatoren ausgeliefert, bekämpfen sich gegenseitig in Stammes- und Religionskonflikten, oder leiden unter Besatzungsmächten, besonders dann, wenn Bodenschätze ein lukratives Geschäft versprechen.
Und auch bei uns ändert sich in dieser Zeit vieles: Wir sehen in diesen Monaten, wie unsere reichen Länder in Schulden ertrinken, ja wie Wirtschaften und Länder in Europa in Überschuldung unterzugehen drohen.
Wir sehen und erkennen so klar, wie wir über unsere Verhältnisse leben und immer noch auf weiteres Wachstum setzen - als gäbe es keine Grenzen. Wir sehen, wie die einen in immer mehr Geld und Gütern schwimmen und andere von ihrer harten Arbeit kaum noch leben können.
Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben 66 Jahre lang Frieden und Stabilität Europa geprägt. Aber zu welchem Preis darf man Fragen!
Vor allem in den vergangenen beiden Jahrzehnten wurden Wahlen mit Versprechen gewonnen, die viel Geld kosteten und als das Geld nicht mehr reichte wurde auf Kredit versprochen.
Damit haben sich viele Staaten in die Abhängigkeit von Banken begeben. Anstatt verantwortlich zu Handeln werden sich die Politiker der G 20 Runde nicht einmal mehr einig diese Konzentration von Kapital und Macht in ihre Schranken zu verweisen. Mittlerweile macht die Gier nach Geld selbst vor der Spekulation mit Lebensmittel keinen Halt mehr.
In einer globalisierten Welt, wo 500 Familien mehr als die Hälfte des Brutto Sozialproduktes besitzen, wo Bankmanager mit ihren Spekulationen die reale Wirtschaft in den Ruin treiben, wo auch bei uns die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht, werden sich die Menschen immer stärker nach mehr Gerechtigkeit sehnen und manche dazu neigen ihre Situation mit Gewalt zu verändern.
Eine Gesellschaft die das Geld in ihren Mittelpunkt stellt und nur auf materielle Werte setzt, betreibt indirekt ihre eigene moralische Zerstörung. Sie wird nie in der Lage sein die moralische Stärke zu gewinnen, um in schwierigen Zeiten ihre Ressourcen fair zu verteilen und ihre Zukunft in gegenseitigen Respekt und Solidarität zu gestalten.
Wenn wir in diesen Tagen sehen, wie Regierungen in Europa stürzen, oder wie in Belgien seit 1 ½ Jahren keine zustande kommt, dann muss uns doch bewusst werden, dass wir uns auf einen Zustand der Unregierbarkeit hinbewegen, weil unsere Gesellschaft sich zunehmend spaltet.
Der heutige Gedenktag ist für uns die Gelegenheit für weltweiten Frieden und mehr Gerechtigkeit einzustehen. Dabei könnten wir uns fragen, worin würde denn heute unsere Pflicht in unserer noch von Wohlstand und Gleichgültigkeit geprägten Konsumgesellschaft, bestehen?
Trauen wir uns zu, gegen den Konsumstrom zu schwimmen? Sind wir bereit die Probleme unserer Zeit anzupacken, weil wir spüren, dass die derzeitige Entwicklung die Menschen um ihre Zukunft bringt?
Und wir können die Augen nicht davor verschließen, dass neben den Finanzmärkten vieles andere im Argen liegt. Mit dem Einkommen auskommen müsste noch einmal zum Leitmotiv aller werden! Ehrliche Arbeit müsste besser bezahlt werden und Steuerhinterziehung oder Missbrauch unserer Sozialsysteme sollte man noch einmal nennen und bekämpfen dürfen ohne gleich an den Pranger gestellt zu werden! Denn neben Solidarität gehört auch Ehrlichkeit zu den Grundwerten die einen Staat tragen!
Der deutsche Schriftsteller und Nobelpreisträger Günter Grass schreibt:
„ Zukunft wird nur dann möglich sein, wenn wir lernen auf Dinge, die machbar wären, zu verzichten, weil wir sie nicht brauchen."
Eine Zukunft in Frieden für uns möglich machen, bedeutet also auch für uns sich vom altgewohntem Trott zu befreien, sich für neue Wege zu entscheiden, die alles andere als bequem sein werden, um verbleibende Ressourcen auf dieser Welt fairer verteilen zu können.
Wir sind zwar nicht verantwortlich für die ganze Welt aber für die Welt um uns herum. Unsere Sendung ist es doch diese Welt heller zu machen, denn was von uns ausgeht ist wie ein Stein der ins Wasser geworfen wird und Kreise zieht.
So sind wir alle mitverantwortlich, dass von uns Friede ausgeht, indem wir die Bereitschaft entwickeln, uns im positiven Sinne zum Wohle dieser Welt einzubringen.
Schon Jesus Christus mahnte uns:
„Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen." Und in seiner Bergpredigt gab er uns mit den Seligpreisungen noch einen Leitfaden für unser Leben mit auf den Weg.
Deshalb kann der Griff zum Schwert immer nur eine letzte und schuldhafte Option sein. Gottes Wort weist uns darauf hin, dass es nicht möglich ist, Krieg mit Krieg und Böses mit Bösem zu überwinden, er setzt auf die Macht der Liebe
So verneigen wir uns in tiefen Respekt vor den Gefallenen und den Zivilopfern der beiden Weltkriege und allen Opfern der Kriege auf unserem Planeten. Diese vielen Mio. Menschen haben mit ihrem Leben das Scheitern derer bezahlt, die Verantwortung trugen und nicht in der Lage waren den Frieden zu wahren.
All diesen Opfern zu Ehren legen wir jetzt einen Kranz am Ehrendenkmal hier in Neundorf nieder.
Christian Krings,
Bürgermeister der Stadtgemeinde Sankt Vith