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06.02.10, 21:43

Kirche Ostbelgiens im Offenen Kanal

von: Daniel Theissen

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Von Lothar Klinges

Im Offenen Kanal (OK) startet heute ein Kirchenmagazin, das sich sowohl an ein kirchlich gebundenes als auch an ein kirchenfernes Publikum wendet. »Die Kirche Ostbelgiens kann sich sehen lassen, auch im Offenen Kanal«, meinte der Schönberger Pfarrer Claude Theiss, der dieses Projekt federführend begleitet.

An diesem Samstag und Sonntag wird die erste Sendung im Bürgerfernsehen ausgestrahlt, welche die Erneuerung der Kontaktgruppen in den neun ostbelgischen Pfarrverbänden zum Inhalt hat.

Lokale Themen

Die Initiative zu dem Projekt »Kirche Ostbelgiens (KO) im Offenen Kanal (OK)« geht auf den Mitarbeiter des OK, Walter Langer aus St.Vith, zurück. Der gebürtige Elsenborner besuchte die Pfarrpriester des Dekanats St.Vith, um ihnen das Angebot zu unterbreiten, monatlich eine Stunde im Offenen Kanal zu gestalten. Bisher fand jeden Monat eine etwa zehnminütige religiöse Einführung in den Monat statt. Die Priester des Dekanats St.Vith begrüßten dieses Angebot.

»Wir sind dankbar, dass der Offene Kanal uns diese Sendezeit einräumt«, freut sich Pastor Claude Theiss. »Wir können nunmehr die christliche Botschaft, wie sie lokal bei uns gelebt wird, auch über dieses Medium zu den Menschen bringen.«

Jeden ersten Samstag und Sonntag im Monat wird von neun bis zehn Uhr ein einstündiger Beitrag ausgestrahlt, der ein bis zwei aktuelle Hauptthemen anhand von Filmberichten, Interviews und Hintergrundinformationen aufgreift. Am Ende jeder Sendung werden kirchliche Angebote aus der Region und aus dem Bistum vorgestellt.

Breites Publikum

»Mit dieser Sendung möchten wir sowohl junge als auch ältere Menschen ansprechen, die das breite Publikum des OK ausmachen, darunter sicherlich auch nicht wenige Kirchendistanzierte«, erklärte Claude Theiss.

Georg Schmitz aus Nieder-Emmels (51) und Claude Theiss (42) waren in den letzten Wochen mit der Kamera unterwegs, um die Treffen der Kontaktgruppen auf Kamera festzuhalten. Dabei führten sie mit zahlreichen Teilnehmern aus dem Norden und Süden Ostbelgiens Kurzinterviews. Im Anschluss wurden die Beiträge bearbeitet, mit Texten und Musik vertont. Erst beim Zusammenschneiden der Filmberichte sei eine Struktur gewachsen. »Die erste Sendung war wegen ihrer Komplexität eine echte Herausforderung, mussten wir doch an vielen Orten zugegen sein, um ein möglichst breites Spektrum der Treffen zur Erneuerung der Kontaktgruppen einzufangen«, erklärte der Schönberger Pastor.

Das Resultat kann sich sehen lassen, wie sich das Grenz-Echo bei der Vorstellung des Prototyps am Samstag vergewissern konnte. »Wir sind gespannt auf Zuschauerreaktionen, kritische Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge, von denen wir gerne lernen möchten«, gibt sich Claude Theiss erwartungsfroh. Das erste Jahr will er als einen Versuch verstanden wissen, »denn wir konnten auf keinerlei Vorbilder aus anderen Regionen zurückgreifen«, sagte der Seelsorger. »Zumindest kenne ich keine Beispiele, die uns als Anregung für unser eigenes Projekt hätten dienen können.«

 

»Sind wir als Kirche glaubwürdig?«

Die Geschichte des Christentums ist auch eine Mediengeschichte. Der Gott der Bibel will sich öffentlich mitteilen. Und dazu nutzt er »Medien«: Vermittler, Menschen, die seine Botschaft aufnehmen und weiterschreiben. Wo Paulus noch Briefe in alle Welt schrieb, um die »Gute Nachricht« unter die Menschen zu bringen, gibt es heute andere Vermittlungsmöglichkeiten: Fernsehen und Hörfunk, Internet und Mobiltelefon. Wie Kirche in den Medien vorkommt, ist in hohem Maß auch eine Frage des weltanschaulichen Standortes des jeweiligen Journalisten.

Die Kirche ist noch weit von einem »Haus aus Glas« entfernt. Dieser Ausdruck stammt von Papst Johannes Paul II.. Immer noch macht sie aus Sicht der Medien den Eindruck, manches vor der Öffentlichkeit zu verheimlichen.

Medien

Bischof Aloys Jousten misst den Medien eine große Bedeutung zu. So hat er kürzlich Redakteure der Tages- und Fachpresse, von Rundfunk und Fernsehen nach Lüttich eingeladen, unter ihnen auch den Chefredakteur des Grenz-Echos, Gerard Cremer. »Wir freuen uns, wenn über die Kirche geschrieben wird, und viele Mitarbeiter(innen) gehen auch mit viel Sachverstand an die Sache heran, wenn auch der kirchliche Wortschatz für Nicht-Eingeweihte manchmal schwer verständlich ist«, sagte der Bischof.

In großer Offenheit brachte er seine Freuden (z.B. die hohe Verfügbarkeit der kirchlichen Mitarbeiter) und Sorgen (die sinkende Zahl der Priester und verfügbaren Laien) zu Beginn des neuen Jahres zum Ausdruck. Ein großes Anliegen ist dem Bischof die Jugend, aber auch die Frage, wie der Christ in einer globalisierten Welt Verantwortung aus dem Glauben heraus übernehmen kann: »Wenn ich die Welt betrachte, müssen wir dann nicht unser Modell überdenken?«

Standpunkt vertreten

Die Medien neigen bekanntlich zur Personalisierung. In den letzten Wochen prägte vor allem die Person des neuen Primas von Belgien, André-Joseph Léonard das Erscheinungsbild der Kirche, das oftmals auf einige Schlagworte (»Hardliner«) reduziert wurde, bedauerte der Bischof. Die entscheidende Frage aber sei, worin der Dienst der Kirche in der Welt von heute bestehe und wie die Christen Zeugen der Frohen Botschaft sein können.

Glaubwürdigkeit ist heute eines der wichtigsten Güter. Für die Kirche gilt dies in besonderem Maß, weil sie einen hohen moralischen Anspruch formuliert. »Sind wir glaubwürdig? Ist unser Leben ein Signal für diese Welt«, fragt der Bischof.

Es sei nicht das vorrangige Ziel der Kirche, in und von den Medien Sympathiepreise zu bekommen, sondern »ihren Standpunkt« zu vertreten, sagte Bischof Aloys Jousten. »Als Kirche müssen wir uns einmischen und deutlich machen, dass die moralische Norm nicht unbedingt allein durch das Gesetz festgelegt wird.«

Fragen des Glaubens schienen in den Medien weniger Interesse zu finden als die ethischen Themen, von denen jeder sich irgendwie betroffen fühle. Bei seiner Runde durch die 17 Dekanate seines Bistums ab Herbst dieses Jahres will der Bischof u. a. die Christen ermutigen, in dieser Welt den Glauben zu leben und den Blick über die Kerngemeinde hinaus zu lenken, um Gottes Wirken zu erkennen und zu bekräftigen.(kli)

Quelle : www.grenzecho.net