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15.09.2011, 10:14

Ostbelgische Spendengelder kommen in Haiti an

veröffentlicht von: Daniel Theissen

Angelika Hoffmann konkretisiert ihren Traum von einem Kinderheim
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von Pascal Jodocy

»Drei Wochen in (m)einer anderen Welt«, schreibt Angelika Hoffmann in einem Brief aus Haiti. Nun ist die Krankenschwester nach Belgien zurückgekehrt - für eine Weile - um die Hilfe für Haiti weiter voranzutreiben. Das Grenz-Echo unterhielt sich mit Angelika Hoffmann über ihr Engagement und ihre Pläne.

Die Straßen seien sauber, so Angelika Hoffmann, auf die Frage nach der aktuellen Situation in Haiti: »Vieles ist aufgeräumt - wenig wieder aufgebaut«. Haiti liegt weiterhin in Trümmern. Die wenigen Privatleute, die versuchen, sich ein Heim zu errichten, bauen bessere Hütten - aus Holz, mit einem Wellblechdach.«

Erstmals war Angelika Hoffmann während ihres dreiwöchigen Aufenthalts in Fort Liberté, einer im Nordosten Haitis gelegenen Kleinstadt. Die ökonomische Situation dort sei sehr schwach, die Landwirtschaft »altertümlich und kaum gefördert«. So ist das Leben in Fort Liberté ein ständiger Markt, überall versuchen die Einwohner, ihre Waren zu verkaufen. »Die Wenigen, die eine Arbeitsstelle haben, arbeiten hart und ausdauernd, und das bei 40° Celsius im Schatten«, so Angelika Hoffmann. Maschinen gebe es kaum. Überhaupt spiele in Fort Liberté das Klima eine große Rolle für die Menschen. »In den Sommermonaten gibt es keinen Regen. Der Boden ist unfruchtbar, das wenige Gemüse vertrocknet und von Insekten befallen.«

Ferienlager

Begleitet wurde Angelika Hoffmann von Albert Desenfants, Primarschullehrer aus Elsenborn und den Jugendlichen Laura Fraikin, Caroline Gerard und Elisa Leonard. In Fort Liberté betreuten die fünf Ostbelgier ein Ferienlager für Kinder, organisiert durch das ortsansässige Zentrum der Salesianer. Am Vormittag bot das Ferienlager den Fünf- bis Dreizehnjährigen die Möglichkeit zu basteln, zu lesen usw. - Angelika Hoffmann und ihre Begleiter übernahmen hier den Animationspart. »Viele Kinder können keine Schere benutzen, Linien mit einem Lineal ziehen oder einen Faden einfädeln«, so die gebürtige Bornerin.

Die Nachmittage standen dann im Zeichen des Unterrichts für die älteren. Die ostbelgischen Jugendlichen und Albert Desenfants unterrichteten die Kinder und jungen Erwachsenen vor allem in den Fächern Französisch und Englisch. Gegen ein geringes Entgelt nahmen viele Kinder und Jugendliche das Angebot der Salesianer wahr und erhielten, dank der vielen Spenden aus Ostbelgien, jeden Tag ein warmes Mittagessen.

Krankenpflegeschule

Angelika Hoffmann unterrichtete indes, auf Anfrage der in Fort Liberté beheimateten Krankenpflegeschule, die Schüler des ersten Jahres. Die Schule, die sich im Zentrum der Salesianer befindet und von diesen gefördert wird, beklagt einen akuten Fachkräftemangel. »Ich werde mich also auch weiterhin für sie einsetzen und in Zukunft ganztägig unterrichten«, wusste die Krankenschwester zu berichten. Außerdem werde sie zukünftig die Direktion der Lehranstalt unterstützen. »Ich habe meine Freunde aus Pétionville und Carrefour (hier war Angelika Hoffmann bisher tätig, A.d.R.) nicht vergessen. Die Pflegestation, die wir aufgerichtet haben, funktioniert mittlerweile auch ohne mein Dasein«, zeigte sich Bornerin erfreut. Die Mittelschule aus Pétionville brauche noch einige Materialien für das Physik- und Chemielabor, dennoch läuft auch hier, dank der Spendengelder aus Hoffmanns belgischer Heimat, der Unterricht. Natürliche werden diese Projekte auch weiterhin von Angelika Hoffmann finanziell unterstützt. Hinzugekommen sind einige sehr konkrete Projekte, für die nicht nur finanzielle Hilfe willkommen ist (siehe nebenstehender Artikel).

Abschied aus Belgien

»Im November werde ich erneut für drei Wochen nach Haiti reisen. Anschließend folgt mein hoffentlich letzter Belgienaufenthalt«, ist die Krankenschwester immer noch davon überzeugt, dass sie ihren Lebensmittelpunkt vollends nach Haiti verschieben möchte.

Dabei konkretisiert sich auch ihr großer Traum von einem Kinderheim. Zwar wurde ihr im vergangenen Jahr ein Grundstück von den Salesianern in der Nähe von Port-au-Prince zur Verfügung gestellt, dies stellt wegen der hohen Kosten, der fehlenden Struktur vor Ort, vor allem aber wegen der gefährlichen Umgebung keine wirkliche Alternative für Angelika Hoffmann dar. Nach ihrem Aufenthalt in Fort Liberté wurde gemeinsam mit der VoG Farnières Haiti die Entscheidung getroffen, hier das Kinderheim zu errichten. »In Fort Liberté finden wir Sicherheit und eine vorhandene Struktur«, beschreibt Hoffmann die Gegebenheiten vor Ort.

»Die Kinder, die wir in das Kinderheim aufnehmen, können hier die Volksschule, später beispielsweise die Krankenschwesterschule oder die Aggronomieschule besuchen.« Es gelte nun, diese Struktur mit den Geldern aus ihrer Heimat weiter auszubauen. Père Ducange, ein enger Vertrauter Hoffmanns, suche zurzeit nach dem passenden Grundstück. Es ist ein langer Weg hin zu Normalität in ihrer »anderen« Welt, aber Stück für Stück, mit der Hilfe aus ihrer Heimat, kommt Angelika Hoffmann diesem Ziel näher.

 

Neue Hilfsprojekte für Haiti

Angelika Hoffmann kämpft weiterhin unermüdlich für die Bevölkerung Haitis. Dabei sind es vor allem die Schwächsten, die ihre Hilfe in Anspruch nehmen - Kinder. In Zusammenarbeit mit der VoGFarnières Haiti hat die Krankenschwester neue Projekte ins Leben gerufen, die der Unterstützung Ostbelgiens bedürfen:

Ferienlager Sommer 2012

Im Sommer 2012 wird erneut eine Gruppe Jugendlicher (ab 17 Jahre) und Erwachsener nach Haiti reisen. In Zusammenarbeit mit der VoGFarnières-Haïti werden die Teilnehmer dort die Animation und das Unterrichten von Kindern während eines Ferienlagers für Kinder übernehmen.

Eine erste Informationsversammlung findet am 18. September von 14 bis 17 Uhr statt.

Weitere Informationen erhalten bei Angelika Hoffmann, E-mail: hoffmann.angelika@hotmail.com oder Tel. 0495/357150 oder bei der VoG Farnières Haiti: jefdeto@hotmail.com.

Schulpatenschaft

Haïti hat eine Analphabetenrate von etwa 56%. Die Lebensbedingungen sind sehr schwierig, Bildung ist für die meisten unbezahlbar, dabei ist gerade sie der einzige Ausweg aus der Misere.

Aus diesem Grund wurde die Entscheidung getroffen, Schulpatenschaften zu gründen. Damit möchten Angelika Hoffmann und die VoG Farnières Haiti junge Menschen zwischen drei und 25 Jahren, deren Eltern oder Vormünder den Schulbesuch nicht bezahlen können, unterstützen.

Den Paten werden auf Wunsch ein Foto des Patenkindes, den Einschreibeunterlagen zugestellt sowie Einsicht in die Schulnoten und die allgemeine Entwicklung des Kindes ermöglicht.

Die Kosten belaufen sich auf 150 Euro pro Jahr und pro Kind. Dieser Betrag deckt die Einschreibegebühr. Für Schuluniformen, Schulbücher, usw. sollen weiterhin die Eltern oder der Vormund des Kindes verantwortlich sein, um die Eigenverantwortlichkeit zu stärken.

Weitere Informationen erhaltene bei Angelika Hoffmann, E-mail hoffmann.angelika@hotmail.com oder Tel. 0495/357150 oder bei der VoGFarnières Haiti: lambert.vero@skynet.be

Kinderheim

In der Nähe von Fort Liberté sucht Angelika Hoffmann zurzeit nach einem passenden Grundstück. Hier bestehen bereits die notwendigen Strukturen, die ein Kinderheim überhaupt erst effizient machen.

Die Volksschule, die Landwirtschafts- und Krankenschwesterschule ermöglichen den aufgenommenen Kindern eine Ausbildung. Auch Kinder, deren Eltern noch leben, sollen die Möglichkeit haben, in das Kinderheim ein- und auszugehen.

Weitere Informationen bei Angelika Hoffmann, E-mail: hoffmann.angelika@hotmail.com oder Tel. 0495/357150. Spendenkonto für das Kinderheim: 035-5931805-05.

Quelle : www.grenzecho.net