Präsentation der Stadtgemeinde St.Vith
Arbeitsgemeinschaft vernetzter Kinderseiten
Kinderferientreff der Stadt St.Vith
Im Juli war ich mit einer Gruppe unter der Leitung Angelika Hoffmanns im Norden Haitis in der Stadt Fort-Liberté unterwegs. Dort haben wir in einer Schule gewohnt und gearbeitet.
Hier gibt es seit zwei Jahren ein Ferienlager für ungefähr 300 Kinder und Jugendliche, das von haitianischen und belgischen Animatoren geleitet wird.
Jeden Morgen um 6 Uhr (!!!) ging's mit Sport los. Es wurde gelaufen und Gymnastik gemacht. Anschließend spielten wir Volleyball, Basketball oder natürlich Fußball.
Um 9 Uhr begannen dann die Aktivitäten: Basteln, Lektüre, Gesang, Tanz, Englisch- und Französisch-Unterricht, Kochen, Blumen binden, Handwerk,... Ich habe mit den Kindern gebastelt und gelesen. Hier stellte sich aber ein Problem: Da der Schulbesuch für viele Familien zu teuer ist, können viele Kinder nicht oder kaum lesen. Beim Basteln sind die Kids total begeistert, da sie nie die Möglichkeit haben, etwas mit buntem Papier, Perlen, bunten Fäden,... zu machen. Hier gab es aber das Problem, dass auch 12jährige oft nicht mit Lineal oder Schere umgehen konnten. Am Nachmittag habe ich dann Jugendlichen Englischunterricht gegeben. Das hat großen Spaß gemacht.
Am Mittag wurde gegessen. Alle Teilnehmer erhalten mittags eine warme Mahlzeit. Ich habe dort Kinder gesehen, die zwei Teller Reis mit Soße hinunterschlangen, sich dann noch mal in die Reihe stellten und mit dem dritten Teller nach Hause rannten, um ihrer Mutter etwas zu essen zu bringen. Mit dem Geld unserer Haiti-Aktion in der Schule vor eineinhalb Jahren haben wir diesen Reis und auch Bastelmaterial bezahlt.
Übrigens: Ich kann garantieren, dass jeder Cent „unseres" Geldes an der richtigen Stelle ankommt. Der Einsatz von Angelika Hoffmann ist einfach bewundernswert und wir werden auch noch weitere Aktionen in der Schule durchführen, um ihre Projekte zu unterstützen.
Leider ist es so, dass fast 80% (!!!) der Kinder in Fort-Liberté mit nur einem Elternteil aufwachsen, weil die Mutter bei der Geburt gestorben ist, weil der Vater in den USA oder in der Dominikanischen Republik zum Arbeiten ist, weil der Vater mehrere Ehefrauen hat (Die Vielehe ist in Haiti erlaubt.) oder weil der Vater sich einfach aus dem Staub macht, wenn er sieht, dass er seine Familie nicht mehr ernähren kann.
Kinder müssen in Haiti sehr hart arbeiten. Sie schleppen Wasser von der Pumpe nach Hause, versorgen ihre kleinen Geschwister, helfen bei der Haus- oder Feldarbeit, verkaufen irgendwelche Sachen, um etwas Geld zu verdienen oder laufen in Port-au-Prince (Hauptstadt Haitis) mit Lappen zwischen fahrenden Autos umher und putzen daran herum. Und das bei einer Hitze von 35 bis 40°C! Auch die einfache Bevölkerung arbeitet sehr schwer um täglich satt zu werden. Es soll keiner denken, dass die Haitianer Faulenzer seien.
Trotz der schwierigen Lebensbedingungen sind die Einheimischen richtig gut drauf! Manchmal habe ich mich gefragt, wer ärmer ist, sie oder wir. Sie machen sich jedenfalls kaum Stress! Besonders die Kinder sind unwahrscheinlich lebhaft. Da sie ja alle schwarz sind, rennen sie uns Weißen („Blancos") hinterher. Die sind ganz wild darauf, die Blancos anzufassen. Sie denken, dass es ihnen Glück bringt!
Der Müll, der überall herumliegt, war für mich sehr gewöhnungsbedürftig. Die Haitianer können nicht verstehen, dass der Müll und Dreck uns Europäer stört. Sie werfen einfach alles dorthin, wo sie gerade stehen. Besonders die Hauptstadt Port-au-Prince ist schrecklich zugemüllt! Und überall Schweine, Hund, Ziegen,... die im Müll nach Essbarem suchen.
In der Millionenstadt Port-au-Prince sind noch immer viele Spuren des schweren Erdbebens vom Januar 2010 zu sehen. Zigtausende Menschen leben noch immer in riesigen Zeltstädten. Große Gebäude wie die Kathedrale, der Präsidentenpalast und viele Ministerien liegen noch immer am Boden. Warum das so ist, kann ich nicht sagen. Es fehlt aber vor allen Dingen eine staatliche Organisation, die sich um den Aufbau des Landes kümmert. Die Menschen sind sich größtenteils selbst überlassen.
So ist es auch mit der Krankenversorgung. Wir waren in einem Krankenhaus, das diesen Namen eigentlich nicht verdient. Die Kranken siechen hier vor sich hin, da es kaum Medikamente oder gut ausgebildete Ärzte gibt. Bettwäsche und Medikamente müssen die Patienten schon selbst mitbringen!! Einem einjährigen Kind mit einem simplen Durchfall konnte nicht geholfen werden.
Am Donnerstag, den 15. September war ein langer Bericht im Grenz-Echo über unsere Reise. Hier wurden auch mehrere neue Aktionen Angelikas erklärt. Besonders interessant ist die Unterstützung eines Kindes durch eine Schulpatenschaft. Für nur 150€ im Jahr kann man einem Kind oder einem Jugendlichen ermöglichen, die Schule zu besuchen. Wer sich dafür interessiert, findet alle nötigen Angaben im Grenz-Echo, kann sich aber auch bei mir melden. (albert.desenfants@gmail.com)
Es war eine ganz tolle Erfahrung in ein solches Land zu reisen und es wird nicht bei diesem einen Mal bleiben! Noch etwas Wichtiges: Natürlich haben wir Belgier diese Reise (Flug, Versicherungen, Ausflüge in Haiti,...) aus unserer Tasche bezahlt. Es wurden keine Spendengelder für uns ausgegeben. Nur die Kosten für unsere Unterkunft und unser Essen wurden von der Organisation „Farnières-Haiti" getragen. Dieses Geld wurde bei verschiedenen Aktionen zu diesem Zweck verdient.
In der Schule rollt auch gerade eine weitere Haiti-Aktion an. Wir sammeln leichte, gut erhaltene und saubere Schuhe für Kinder und Jugendliche (Flip-Flops, Crocks, Sandalen, Sport- und Fußballschuhe). Diese Schuhe können bis zu 21. Oktober in der Schule abgegeben werden.
Danke für euer Interesse,
„Lehrer" Albert Desenfants