Präsentation der Stadtgemeinde St.Vith
Arbeitsgemeinschaft vernetzter Kinderseiten
Kinderferientreff der Stadt St.Vith
Von Petra Förster
»Wir hätten da noch eine Frage an euch...«: Im Vereinshaus Emmels probt eine kleine Equipe des Agora-Ensembles derzeit für die neue Produktion »Nebensache«, die am 10. Februar Premiere feiert. Begleitet wird sie dabei von drei Patenklassen, die das Stück als Zuschauer aktiv mitgestalten und später ihre eigene Sicht von »Nebensache« inszenieren.
»Wir lernen ganz neue Kinder kennen«, sagen die Lehrer der drei Patenklassen (1./2. sowie 5./6. Jahr der Gemeindeschule Emmels und 4. Jahr des Kgl. Athenäums St.Vith). Und die Kinder lernen die Welt des Theaters ganz neu kennen. Viele von ihnen sind schon theatererprobt, da ihre Schule oft mit dem Agora-Ensemble zusammenarbeitet. Aber ein theaterpädagogisches Projekt in diesem Umfang ist für alle Seiten neu.
Als Klassentheater soll »Nebensache« später nicht auf großen Bühnen, sondern direkt im Klassenzimmer gezeigt werden. Zielpublikum sind Schüler ab sechs Jahren. Die Patenkinder sind genau in diesem Alter und die Zusammenarbeit mit ihnen ermöglicht Agora, eine direkte Rückmeldung von den Zuschauern zu bekommen, die man erreichen möchte. Im November letzten Jahres haben die Schüler die ersten Szenen gesehen, die Requisiten und Cornelius, einzige Figur in »Nebensache«, kennengelernt.
Entwicklung
Inzwischen haben Regisseur Kurt Pothen und Spieler Roland Schumacher mit der Hilfe von Regieassistent Matthias Weiland und Produktionsassistentin Line Lerho das Stück weiterentwickelt und verändert. In dieser Woche sahen die Patenkinder das Stück erstmals in ganzer Länge und mit den Requisiten, die bei der Premiere zum Einsatz kommen sollen. Bis dahin wird sich aber mit Sicherheit wieder einiges verändert haben. »Mir hat der Wagen, den Cornelius vorher hatte, besser gefallen«, merkte ein Schüler beispielsweise an. Nein, ihnen sei nicht klar gewesen, dass der Bauer, dessen Geschichte Cornelius erzählt, auch vor der Trennung von seiner Frau gerne einmal zur Flasche gegriffen habe. Und auch, dass er auf dem Hof gearbeitet habe, hatten sie nicht gesehen - nur seine Frau war immer müde, weil sie so viel schuftete. Theaterpädagogin Helga Schaus und Regisseur Kurt Pothen nahmen alle Anmerkungen mit Interesse zur Kenntnis. Einige werden mit Sicherheit in den nächsten beiden Wochen noch in die Inszenierung eingearbeitet, andere werden vielleicht nicht umzusetzen sein. »Die Schüler haben einen Wert als Zuschauer und sie können das Stück aktiv mitgestalten«, sagt Nicole Adams, die als Lehrerin mit den Jungen und Mädchen der Gemeindeschule Emmels an der Parallelinszenierung arbeitet. Im Kgl. Athenäum St.Vith hat Helga Schaus dies übernommen. Das Agora-Ensemble bekommt also viele praktische Tipps und Rückmeldungen von den Patenkindern, die Patenkinder ihrerseits den viel zitierten Blick hinter die Kulissen, der allerdings weit darüber hinaus geht als das, was man normalerweise darunter versteht. »Sie erfahren wirklich, wie viel Arbeit hinter so einem Stück steckt«, sagt Helga Schaus - wer nur zur Premiere kommt, dem ist vielleicht nicht unbedingt klar, wer eigentlich während der Probentage dafür gesorgt hat, dass das Team auch essen und trinken konnte, wer sich um die Anmietung der Räumlichkeiten und die Fertigstellung des Plakates gekümmert hat, wer dafür sorgt, dass an Cornelius' Wagen auch jede Kleinigkeit an der richtigen Stelle steht und die Deckel der einzelnen Kisten in die richtige Richtung aufgehen und wer mit Roland Schumacher seine Stimme so trainiert hat, dass sie auch bei schlechter Akustik ohne Mikrofon bis in die hinteren Bänke zu verstehen sein wird. So viel zum Thema Regieassistenz und Produktionsassistenz.
Keine Absicht
Auch erfahren die Patenkinder, warum auf der Bühne manchmal scheinbar gar nichts passiert und dass dieses Nichts sehr viel sein kann und eine Absicht dahinter steht. Sie erfahren aber auch, dass manchmal Dinge geschehen, die nicht so ganz beabsichtigt sind, wie z.B. der Wasserkessel, der Schauspieler Roland Schumacher bei diesem Probendurchlauf mit den Patenkindern als Publikum aus der Hand gerutscht ist. »War das eigentlich Absicht, dass der Kessel gefallen ist?«, fragte einer der Schüler im anschließenden Austausch mit dem Agora-Spieler. »Nein«, lachte Roland Schumacher, »und das wird auch nicht mehr passieren.«
Eine Geschichte über Geld und Glück fürs Klassenzimmer
»Nebensache «ist ein Stück von Jakob Mendel und Gitte Kath. Die deutsche Übersetzung stammt von Volker Quandt. Die Rechte liegen beim Harlekin-Verlag. Das Stück richtet sich an Zuschauer ab sechs Jahren. Es erzählt die Geschichte von Cornelius, der jede Nacht an einem anderen Ort schläft. Heute wacht er in der Ecke eines Raumes auf. Vielleicht ist es ein Klassenzimmer. Er ist auf der Durchreise. Er ist immer auf der Durchreise. Er streicht durch die Lande, denn er hat kein »zu Hause« aus Stein oder Holz oder Beton oder Eis.
Sein Zuhause sind das Unterwegssein und die Menschen, denen er begegnet. Er besitzt nichts, außer einem abgebrannten Kinderwagen. Das war nicht immer so. Jetzt verwahrt er in dem Kinderwagen seine wenigen Habseligkeiten und eine Geschichte. Diese Geschichte erzählt er allen, die sie hören wollen.
Es ist eine Geschichte über Glück und darüber, was man braucht, um glücklich zu sein. Über Besitz und Verlust. Über Schulden und Schuld. Über Bauern und Banken. Über Ausweglosigkeit und den Mut zum Neuanfang.
Wenn er die Geschichte erzählt hat, macht er sich wieder auf den Weg. Morgen wacht Cornelius in einem anderen Raum auf. Vielleicht ist es ein Theater.
Nebensache erzählt eine Geschichte, die alltäglich vorkommt. Eine Geschichte ohne Schlagzeile.
Die Premierendaten im Kulturzentrum Triangel in St.Vith sind: Donnerstag, 10. Februar, um 20 Uhr; Freitag, 11. Februar, um 20.30 Uhr; Samstag, 12. Februar, um 20 Uhr und Sonntag, 13. Februar um 15 und 20 Uhr. Interessierte Schulklassen können ab sofort eine Aufführung buchen, die dann in ihrem Klassenzimmer stattfindet.
Da die Zuschauerzahl begrenzt ist, bittet Agora um eine frühzeitige Anmeldung.
Weitere Informationen und Reservierungen bei Agora unter Tel. 080/22 61 61 oder im Internet unter www.agora-theater.net .
Quelle : www.grenzecho.net