Von Nadine Reynartz
Fünf von elf Grundschulen aus der Stadtgemeinde St.Vith nahmen vom 16. bis zum 22. September aktiv an der Europäischen Mobilitätswoche teil.
Am vergangenen Mittwoch wurden die Projekte der teilnehmenden Grundschulen der Gemeinde St.Vith bewertet. Die Stadt St.Vith hatte diese Sensibilisierungskampagne im Rahmen des Programms für Ernährung und Bewegung (PEB) gemeinsam mit dem Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft unter dem Motto »Zu Fuß zur Schule - Mach mit!« initiiert.
Sehr zahlreich erschienene Kinder, Eltern und Lehrpersonen durfte Christine Baumann-Arnemann, Schöffin für Soziales und Mobilität bei der Stadt St.Vith, an Mittwochabend im Saal des Rathauses begrüßen. Sie brachte die Aktion auf den Weg. Ihr Dank galt vor allem den Elternvereinigungen, denn durch ihr Engagement seien Kinder dazu bewegt worden, wieder regelmäßiger zu Fuß zur Schule zu gehen oder mit dem Fahrrad zu fahren.
Es gibt viele gute Gründe, den Schulweg ohne Auto zurückzulegen: Stärkung des Selbstwertgefühls durch den eigenständig bewältigten Schulweg, Förderung von Gemeinschaft, Schulung der Verantwortung für sich selbst und andere, Bewegung vor und nach langem Sitzen, eine wissenschaftliche erwiesene Steigerung der Konzentration, Training von Aufmerksamkeit, Muskulatur und Gleichgewichtssinn, frühe Schulung für mehr Verkehrssicherheit und ein Beitrag zur Umwelt. Nicht zuletzt zeige die Erfahrung, dass die vielen Schulfahrten mitunter nicht nur Staus, sondern zwangsläufig ein erhöhtes Unfallrisiko nach sich zögen. Für eine Rückbesinnung auf alte Werte sprechen auch und vor allem gesundheitliche Gründe.
Dies wurde nun vor allem von den Grundschulen des Königlichen Athenäums St.Vith sowie der Ortschaften Emmels, Hinderhausen, Rodt und Neidingen erkannt. Alle fünf Schulen haben sich sehr viel Gedanken zum Thema gemacht und vorbildliche Gruppenprojekte erarbeitet.
Stolze Kinder
Die Kinder der fünf Schulen präsentierten voller Stolz ihre verschiedenen Ideen und Konzepte. So wurden zum Beispiel in Hinderhausen kleine Videofilme gedreht von der gemeinschaftlichen Fahrradtour, von Sketchen, Rap-Texten oder Liedern zum Thema Sicherheit auf dem Schulweg.
Die Kinder vom Königlichen Athenäum St.Vith haben Verkehrsschilder gebastelt, auf denen die Handlungen anhand Fotos von den Kindern selbst dargestellt sind, weil nicht nur Verkehrsregeln sondern auch die Menschen nicht immer im Straßenverkehr beachtet werden.
In Rodt, wo eigentlich die Mehrheit der Kinder auch ohne die Aktion mit dem Fahrrad zur Schule fährt, wurde ein sehr künstlerisches Projekt entworfen, auf dem Miniatur-Fahrräder in 3D aus allen Dorfrichtungen gen Schule fahren. Die Kinder sehen einen Stressfaktor darin, mit dem Auto zur Schule gebracht zu werden. In Emmels gibt es aufgrund der starkbefahrenen Hauptstraße ein Schülerlotsensystem, das von Eltern, pensionierten Dorfbewohnern aber auch Lehrpersonen geführt wird. Am vergangenen Mittwoch wurden 58 Kinder gezählt, die zu Fuß zur Schule gegangen sind. In Neidingen wurde zum Beispiel errechnet, dass ein Kind aus dem Kindergarten bei einem Schulweg von 1200 Metern im Verlauf der Mobilitätswoche insgesamt 21,6 Kilometer zu Fuß zurücklegte. Den Kindergartenkindern wurde für die Begleitung auf dem Schulweg ein Pate zugeteilt.
Alle sind Gewinner
Unterrichtsminister Oliver Paasch, der stellvertretend für Gesundheitsminister Harald Mollers bei der Preisverteilung anwesend war, befürwortete die Initiative der Mobilitätswoche und dankte den Schulgemeinden für ihr Engagement. »Alle teilnehmenden Schulen sind allein durch ihr Mitwirken Gewinner, denn es wurde ein Ziel verfolgt und letztendlich auch erreicht«, so Paasch.
Doch wer Wettbewerb sagt, sagt Jury und demzufolge auch Gewinnerermittlung. Somit durften die drei Juroren, Dorothea Schwall-Peters, Manfred Jost und Herbert Hannen, sich nach der Präsentation der Projekte zurückziehen. In dieser Zeit wurden die Preise des Malwettbewerbs, bei dem 350 Bilder eingingen, durch Bürgermeister Christian Krings und Minister Oliver Paasch überreicht (Liste der Gewinner siehe Kasten).
Den ersten Preis, ein Gutschein über 500 Euro für die Verwirklichung von Projekten zum Thema Ernährung und Bewegung, bekam die Gemeindeschule Emmels. Auch die anderen Teilnehmer wurden von der Jury für ihre Projekte gelobt und erhielten einen Geldpreis, der ebenfalls in Projekte wie Kletterzentren, Wanderausflüge oder Schulfeste mit gesunder Ernährung investiert werden dürfen.
Nachhaltigkeit
Als Überraschungspreis teilte Christine Baumann mit, dass das Plakat, welches die Kinder vom Kindergarten Emmels mit Original-Fußabdrücken kreiert haben, als Plakat gedruckt wurde, und nun in den Schulen als Anregungsmittel dienen soll, um die Nachhaltigkeit der Aktion zu fördern.
Auch Jean-Marie Greven, Leiter des PEB, hofft, dass das Projekt weitergeht. »Am Athenäum ziehen wir sogar in Erwägung, 2011 auch die Sekundarschule mit einzubeziehen.« Und man hofft, dass auch die anderen Schulen in St.Vith dem Beispiel folgen. »Zudem«, so die Schöffin, »wird im April nächsten Jahres eine Umfrage in den fünf Schulen durchgeführt, um die Nachhaltung der Aktion zu prüfen.« Die Schule mit dem nachhaltigsten Erfolg wird dann geehrt.
Die Ausstellung der 350 gemalten Bilder sowie der fünf Gruppenprojekte wird noch bis zum 24. November wochentags von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr (über den Seiteneingang) zu besichtigen sein. Diese Gelegenheit können andere Schulen nutzen, um das Thema bei den Schülern und auch Eltern anzuschneiden und zu sensibilisieren.
Quelle : www.grenzecho.net