

Am Abend des 26.Juni wurde im Rathaus in St.Vith eine erste Zwischenbilanz im Prozess der Ländlichen Entwicklung gezogen. Sinn und Zweck war es, einen ersten Überblick über die Erkenntnisse aus den 13 Ortsversammlungen zu gewinnen, die im April und Mai stattgefunden hatten und bei denen insgesamt knapp 400 Bürgerinnen und Bürger präsent waren. Darüber hinaus wurden diese Themen bei der Synthese erneut aufgegriffen und weiterentwickelt. Zwar ist der Prozess der Ländlichen Entwicklung sehr vielschichtig und kann im weitesten Sinne auf das gesamte gesellschaftliche Leben bezogen werden, jedoch stellten sich beispielsweise mit den Themen Mobilität, Zusammenspiel der Generationen, Wohnraum, Umwelt oder auch Handel/Gewerbe einige Bereiche heraus, die der Bevölkerung unserer Gemeinde besonders am Herzen liegen. Wichtig war für alle die Erkenntnis, dass eine positive Zukunft nur im "Miteinander" der einzelnen Ortschaften und nicht im "Gegeneinander" zu gestalten ist. Dies wird als wichtige Grundlage der Zusammenarbeit in der Örtlichen Kommission zur Ländlichen Entwicklung (ÖKLE) betrachtet.
Worin liegen die Stärken und Schwächen der Stadtgemeinde?
Aus der Informations- und Diskussionsphase der Stadt- und Landentwicklung (LSE) in St.Vith haben sich die Stärken (+) und Schwächen (-) der Stadtgemeinde ergeben. Nachstehend eine Übersicht.
a) allgemeiner Lebensraum: + Lage von St.Vith (Zentrumsfunktion und Drehscheibe); - Hemmschwelle zwischen Stadt und Land, Unterschiede und Konkurrenzdenken zwischen den Ortschaft, Rückgang des Gemeinschaftssinns in den Dörfern.
b) Umfeld: + Naturerbe, Windpark Rodt, Rechter Schieferstollen; - Umweltbelastung: Autobahn, Industrie/Gewerbe in Wohngebieten (Savimetal, Beldem, Hoffmann).
c) Wasserversorgung: + hochwertiges Netz, Wasserkonzept; - keine öffentliche Wasserversorgung in Andler, Eiterbach und Weppeler, Probleme in der Altgemeinde Lommersweiler (SWDE) und Neidingen;
d) Abwässerklärung: + Abwasser von 60 Prozent der Haushalte wird kollektiv (Kläranlagen) entsorgt; - Kanalnetz unvollständig, Unverständnis und Verärgerung in Orten mit individueller Entsorgung (Hauskläranlagen).
e) Umwelt: + Altstoffdepot, Haushaltsmüllabfuhr (System Duobac), Bewusstseinsbildung; - wilde Mülldeponien, Schwerlastverkehr.
f) Baukultur: + zwei kommunale Parzellierungen in der Ausführung, zwei weitere in der Planung, Baudenkmäler; - Mangel an verfügbarem Bauland in den Orten (trotz der auf dem Papier ausgewiesenen 4480 Baugrundstücken in Bauzonen und 1250 Baugrundstücken in Wohnerwartungsgebieten), unangepasste Bauformen.
g) Raumordnung: + Vielfalt mit Kleinstadt St.Vith und 27 Dörfern, Gewerbegebiete; - Raumordnungspläne veraltert, so genannten »Straßendörfer« (Schönberg, Ourgrund, Recht, Wiesenbach).
h) Straßenbau: + gutes kommunales Wegenetz (550 km), Stadtzentrum, Einfallstragen, Kreise und Plätze in St.Vith, Umgehungsstraße Rodt; - zu wenig Bürgersteige, schlechter Zustand vieler Regionalstraßen.
i) Verkehrssicherheit: + Kreisverkehre, kostenloses Parken in St.Vith, Parkplatzangebot in der Stadt; - Tempoüberschreitung in den Ortschaften, Unfallgefahr in der Luxemburger Straße in St.Vith, mangelhafte Straßenbeleuchtung, wildes Parken, Verkehrschaos in der Haupt- und der Klosterstraße in St.Vith, 30 km/h-Zone außerhalb der Schulzeit.
j) Mobilität: + gute Straßenanbindungen (Autobahn), Umgehungsstraßen, Radwege; - keine direkte Anbindung zu einem Bahnhof; Nahverkehrsnetz unzureichend zwischen Stadt und Land, Ausbau der N 62 nach Luxemburg, Fahrrad-trassen in den Ortschaften.
h) Infrastruktur: + attraktives Stadtzentrum St.Vith, Aufwertung der Ortschaften, Infrastrukturprogramm; - behindertengerechte Gebäude, verwahrloster Stadtpark St.Vith.
a) Beschäftigung: + tiefe Arbeitslosenquote (4,2 %), 1000 Grenzgänger, breites Angebot in St.Vith; - Mobilitätsanforderungen an die Arbeitnehmer, Abhängigkeit von Luxemburg, fehlender Unternehmermut bei junger Generation.
b) Geschäftsstadt St.Vith: gutes Angebot, gute Gestaltung, aktive Fördergemeinchaft; - Parkplatzmangel im Zentrum, keine einheitlichen Öffnungszeiten im Einzelhandel.
c) Landwirtschaft: + noch 184 Betriebe, moderne Infrastruktur; - rückläufige Betriebszahl (allein 2005: 39 Schließungen), Verkehrsgefährdung durch immer größere Maschinen.
d) Forstwirtschaft: + 42 % Waldfläche, wichtiger Arbeitgeber (Sägereien, Schreinereien), Imagewerbung (Holzkompetenzzentrum); - Wegenetzbeeinträchtigung durch Holztransporte.
e) Tourismus: + Beherbergungskapazitäten, Freizeitangebot, Kulturtourismus, Aufwertung Camping/Freibad Wiesenbach; - Gefälle im touristischen Angebot zwischen Ortschaften, zeitgleiche Schließung der Restaurants.
a) Kultur/Freizeit: 115 Vereinigungen, Ehrenamt, Saalinfrastruktur, Triangel, Kulturangebot (Musik/Theater/Agora), Summertime, Kino, Museum; - zu wenig Treffs für Jugendliche, Problem des Vereinsnachwuchses, Ungleichgewicht der Förderung.
b) Sport: + 40 Vereine, gute Infrastruktur; - Sorge um Engagement der Ehrenamtlichen für den Nachwuchs.
c) Politik/Verwaltung: + hohe Verfügbarkeit, guter Service, Polizeistruktur; - wenig flexible Öffnungszeiten im Rathaus, steigende Kriminalitätsrate (Einbrüche, Familienkonflikte), ungenügende Tempokontrollen durch Polizei.
d) Dienstleistungen: + Klinik, Seniorenheim, Soziales, Schulen; - Lücken in der außerschulischen Betreuung, rückläufige Schülerzahlen (drohende Schulschließungen in Lommersweiler und Neidingen), Mobilfunknetz mit Schwächen.
f) Wohnraum: + gutes Wohnangebot, Wohnungsbaugesellschaft, Bautätigkeit, Baulandreserve; - zu wenig Sozialwohnungen, steigende Grundstückspreise in Stadt und Land (ausgelöst durch auswärtige Bauträger, etwa aus Flandern und den Niederlanden), nur wenig Bauland wird zum Verkauf angeboten.