Inhalt Menu Termine Quicklinks Kalender Suche

Hünningen

Fakten und Zahlen

Die Entwicklung der Ortschaft Hünningen ist eng mit den beiden Nachbarorten St. Vith und Emmels verbunden. In seinem Buch, Chronik von Emmels - Hünningen aus dem Jahre 2010 schreibt Johann Wiesemes: „Ungefähr um das Jahr 1250 wurde St.vith zur befestigten Stadt gemacht, woraus folgt, dass es schon vorher ein sehr bedeutender Ort war. Hünningen heißt auf Wallonisch Hulange, d.h. Herberge. Es war also dort die Herberge für die Fuhrleute auf der Straße von Stavelot- Malmedy nach St. Vith und Prüm. Diese Herberge in Hünningen wird, wenn nicht schon vor 1250, so doch wahrscheinlich bald nach dieser Zeit entstanden sein, weil 1250 St. Vith Festung wurde und deshalb die Tore abends um eine bestimmte Stunde geschlossen wurden. Ebenfalls bei Belagerungen von St.Vith mussten die Fuhrleute in Hünningen logieren. Auch wäre es möglich, dass in Hünningen das St.Vither Militär eine Herberge oder Station hatte als Vorposten, um die Ankunft feindlicher Scharen von dieser Seite her beizeiten auszukundschaften. Sicher ist, dass vor dem Jahre 1351, wo St. Vith und Bütgenbach zur Grafschaft Vianden kamen, zu St.Vith und Bütgenbach 51 Ortschaften gehörten, worunter man wohl auch Emmels und Hünningen rechnen kann. Einen ersten schriftlichen Hinweis auf die Existenz von Hünningen finden wir in der Chronik von Hennes M.: Er schreibt, dass bei der Einteilung der Herrschaft St. Vith in 6 Höfe - welche vor 1417 stattfand - sowohl Hünningen als auch die Nachbarortschaften Nieder - und Ober - Emmels aufgelistet werden." Beim Bau der Schule im Jahre 1929 wurden antike Gräber gefunden, die sogar auf eine Besiedlung zur Römerzeit schließen lassen könnten.

Bis zum Einmarsch der Franzosen gehörte Hünningen zum Hof von Amel. Unter der französischen Herrschaft von 1795 bis 1814 wurde Hünningen gemeinsam mit den Ortschaften Rodt, Hinderhausen, Crombach, Neundorf und der Doppelortschaft Ober- und Nieder- Emmels der neugeschaffenen Gemeinde (Mairie) Crombach angegliedert.

Ab 1925 bildete Hünningen mit den Ortschaften Ober- und Nieder- Emmels eine eigene Sektion innerhalb der Gemeinde Crombach. Diese Sektion ermöglichte der Ortschaft eine gewisse Selbstverwaltung, so die Nutzungsrechte über die etwa 50 Ha Gemeindeland und über rund 100 Ha Waldparzellen. Bis zur Erstellung eines allgemeinen Lastenheftes über die Nutzungsrechte für Gemeindegüter in der Gemeinde St. Vith im Jahre 1990 blieb diese Selbstverwaltung für das Hünninger Gemeindeland noch bestehen. Seit der Verwaltungsreform in Belgien, die am 1. Januar 1977 in Kraft trat, gehört Hünningen, wie auch die anderen Ortschaften der Altgemeinde Crombach, der Großgemeinde St. Vith an.

Die Pfarrzugehörigkeit

Bis vor dem ersten Weltkrieg gehörte Hünningen zur Pfarre St. Vith, deshalb werden die Angehörigen der alten Hünninger Stammhäuser heute noch auf dem Friedhof von St. Vith beerdigt und die Hünninger feiern ihre Kirmes am gleichen Datum wie St. Vith.

Mit dem Bau einer gemeinsamen Wasserleitung im Jahre 1912 - 1913 für die Doppelortschaft Emmels und Hünningen - das zwar seit 1865 das Wasser vom Hünninger Venn nach St. Vith lieferte, sich selber aber aufgrund der Höhenlage nur von Emmels aus versorgen konnte - änderte sich auch die Pfarrzugehörigkeit.

Die gemeinsame Wasserleitung verpflichtete Hünningen zum Anschluss an das Rektorat Emmels. Damit konnte nun eine eigenständige Pfarre Emmels - Hünningen entstehen und ab diesem Zeitpunkt wurden die Grabstellen der Familien, die sich in Hünningen neu ansiedelten, auf dem Friedhof in Emmels angelegt. Laut Erzählung von Frau Jacoby-Hauwart im Buch „Grenzland und Grenzvolk" von Alois Paquet hat es in Hünningen früher sogar eine kleine Kapelle gegeben, die im Dreieck Haus Kleiens, Haus Kütz und Neubau Post Leo gestanden haben soll.

Es gab Mitte des 20. Jahrhunderts mehrmals erfolglose Bemühungen wieder eine Kapelle in Hünningen zu errichten, damit der weite Fußweg, der entweder zur Pfarrkirche nach Emmels oder nach St. Vith zurückgelegt werden musste, entfallen würde.

Die Dorfschule

Ab 1927 wurde in Hünningen eine eigene Schule betrieben. Zunächst für zwei Jahre auf dem Speicher der Werkstatt Maraite, dann im neu errichteten Schulgebäude. Somit entfiel der lange Weg zur Schule nach Emmels, der von den Kindern mehrmals pro Tag zurückgelegt werden musste.

Die kleine einklassige Schule musste aufgrund der oft wechselnden Schülerzahlen stets ums Überleben kämpfen. Mehr als 60 Jahre gelang es der kleinen Ortschaft, diese für das Dorfleben so wichtige Schule zu erhalten, bis 1990 auch die Geschichte der Dorfschule Hünningen zu Ende ging. Bis 2015 wurde das Gebäude von der Dorfjugend Hünningen als Versammlungslokal genutzt. Heute dient es als Lager für den Bauhof der Stadtgemeinde St.Vith.

Die Geographische Lage

Hünningen liegt auf der Wasserscheide Maas - Rhein, also auf dem Höhenzug nördlich der Stadt St. Vith an der ehemaligen Römerstraße von Trier nach Köln. Spuren dieser Straße waren noch bis Mitte der 70 ziger Jahre des 20. Jahrhunderts an mehreren Stellen in Hünningen zu sehen. So am Autobahnzubringer St. Vith Nord und am Weg von Hünningen zur Emmelser Mühle.

Mit dem Bau der Autobahn und dem Autobahnzubringer „ Walleroder Brücke" zur Autobahnauffahrt „St. Vith Nord" wurde aus dem stillen Ort ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, verbunden mit einer dramatischen Verschlechterung der Lebensqualität für die Familien, die bis dahin an einem beschaulichen Gemeindeweg wohnten.

Zahlreiche Verkehrsunfälle, vor allem an der Kreuzung Autobahnzubringer N 670 mit der Regionalstraße St. Vith Malmedy N 62, die mit der einzigen Ampel in der Eifel bestückt ist, waren der Preis für die Modernisierung des Straßenverkehrsnetzes und die Anbindung an die Autobahn. So kamen am 22. September 1981 drei kleine Mädchen aus Hünningen im Alter von 4 Jahren ums Leben, als ein Vater sie mit seinem PKW zum Kindergarten nach Emmels bringen wollte und es an besagter Kreuzung zu einer Kollision mit einem anderen Fahrzeug kam.

Bausubstanz und wirtschaftliche Entwicklung

Bedingt durch die verkehrsgünstige Lage in unmittelbarer Nähe zu St. Vith ist Hünningen die einzige Ortschaft in der belgischen Eifel, die in den vergangenen 100 Jahren ihre Einwohnerzahl um 200 % steigern konnte. ( Quelle: „100 Dörfer eine Zukunft", von Carlo Lejeune).

Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Hünningen etwa 10 Häuser, darunter zwei Gaststätten, die sich vorwiegend an der Hauptstraße von St. Vith nach Malmedy und einem kleinen Seitenweg angesiedelt hatten. So wurde auch der Bauernhof Krings im Jahre 1830 errichtet und als Gaststätte betrieben. Auf dem Katasterplan ist der Bering heute noch als Kaiserhoff eingetragen, was in der Vergangenheit zu Spekulationen über die Herkunft dieser Bezeichnung führte. So gab es eine Legende, dass um 1900 der deutsche Kaiser Wilhelm II bei einem Manöver seiner Truppen in der Eifel dort einkehrte. Das wuchtige Bauernhaus, Geburtsort des späteren Bürgermeisters von St. Vith Christian Krings, wurde 1993 abgerissen :

In seinem Buch, Chronik von Emmels - Hünningen aus dem Jahre 2010 hat Johann Wiesemes eine andere Erklärung für diesen Flurnahmen, er schreibt: „Am 15. Mai 1628 ließen Hubertus Keiser und dessen Frau Catharina (Familienname fehlt) ihren Sohn Quirinus in St. Vith taufen. Paten waren Hans Faves aus Emmels und Catharina Schos (Schaus) aus Ober-Emmels Am 4. Juni 1630 war es deren Sohn Jacobus, der in St.Vith getauft wurde.

Es ist durchaus möglich, dass der erwähnte Hubertus Keiser bereits vor 1600 geboren wurde. Weitere Hinweise konnten aber nicht aufgefunden werden; die verfügbaren Heirats- und Sterberegister der Pfarre St. Vith -Neundorf beginnen erst viel später. Es ist jedoch mehr als wahrscheinlich, dass die Anwesenheit der erwähnten Keiserfamilie dann auch den beiden Flurbezirken Kaiserhoff und hinter Kaiserhoff ihren Namen gegeben hat. Bei der um 1828 erfolgten preußischen Katasteraufnahme waren diese Flurbezeichnungen auf jeden Fall bereits eingetragen und sie bestehen auch bis heute noch."

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Ortschaft hart getroffen. Im Verlauf der Ardennenschlacht wurden im Januar 1945 bei der Rückeroberung von St. Vith durch die Amerikaner vor allem die Häuser auf der Anhöhe zwischen Emmels und St. Vith von den amerikanischen Panzern, die von der Emmelser Mühle aus kommend nach St. Vith vorrückten, in Brand geschossen.

Im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte hat die Ortschaft den Wandel von einer landwirtschaftsorientierten Erwerbsstruktur zur modernen Dienstleistungsgesellschaft vollziehen müssen. Gab es zu Beginn der 60ziger Jahre des 20. Jahrhunderts noch 30 Landwirte, so ist dieser Berufsstand bis auf einen Betrieb zurückgegangen. Dafür stehen heute in Hünningen zwei große Möbelhäuser, zwei Autohäuser und ein Produzent im Bereich der Tier- und Humanmedizin, der seine Produkte weltweit exportiert. Ein Teil der Hünninger Gemeindeländereien wurde für die Erweiterung der Industriezone Steinerberg genutzt.  Dort haben sich mittlerweile mehrere Betriebe angesiedelt, die über 100 Mitarbeiter/innen beschäftigen.  Wie auch in den übrigen Ortschaften der Gemeinde St. Vith arbeitet aber ein Teil der Bevölkerung im benachbarten Großherzogtum Luxemburg oder in Verwaltungsjobs bei den verschiedenen Dienststellen in der Kantonsstadt St. Vith.

Redaktion: Christian Krings

Bildermappe

Dorfansicht HünningenDorfansicht HünningenKlicken um Bild zu vergrößern
Dorfansicht HünningenKlicken um Bild zu vergrößern
Dorfansicht HünningenKlicken um Bild zu vergrößern
Dorfansicht HünningenKlicken um Bild zu vergrößern
Klicken um Bild zu vergrößern